Die große slowakische Kaffeestudie. Unabhängige Daten, überraschende Ergebnisse, keine Marketing-Klischees.
98,1 %
trinken regelmäßig
Ende April 2026 haben wir eine Umfrage zu den Kaffeegewohnheiten der Slowaken gestartet. Wir wollten wissen, was wir wirklich trinken, wo wir einkaufen und was unsere Kaufentscheidung beeinflusst. Fast fünftausend Menschen haben geantwortet.
Einige Ergebnisse bestätigten unsere Vermutungen. Andere haben uns überrascht. Hier sind die interessantesten Einblicke.
Erkenntnis Nr. 1: Der durchschnittliche Slowake trinkt 2,7 Tassen täglich — morgens, nachmittags und meistens allein
Zwei Tassen täglich sind die mit Abstand beliebteste Antwort. Die meisten Menschen trinken ihren ersten Kaffee morgens und den zweiten am Nachmittag — Kaffee am Abend ist die Ausnahme, nicht die Regel. Der heimische Kaffeevollautomat ist längst kein Luxus mehr: Mehr als die Hälfte der an der Umfrage teilnehmenden Haushalte besitzt ein solches Gerät.
2,7
Tassen im Durchschnitt
79 %
erster Kaffee am Morgen
77 %
Kaffee auch am Nachmittag
Kaffee ist hierzulande vor allem ein persönliches Ritual. Nur eine kleine Minderheit trinkt ihn ausschließlich in Gesellschaft — die Mehrheit genießt ihre Tasse je nach Stimmung, sowohl allein als auch in Gesellschaft.
Erkenntnis Nr. 2: Warum trinken wir eigentlich Kaffee? Wegen des Geschmacks — nicht wegen des Koffeins
Dies war eines der überraschendsten Ergebnisse der gesamten Studie. Auf die Frage, warum Menschen Kaffee trinken, nannte die überwältigende Mehrheit den Geschmack – Energie landete erst auf Platz drei, hinter dem täglichen Ritual und der Gewohnheit. Der slowakische Kaffeetrinker ist also weniger koffeinsüchtig, sondern vielmehr ein Genießers mit ausgeprägtem Geschmack.
Fast 9 von 10 Slowaken trinken Kaffee wegen des Geschmacks. Energie liegt erst auf Platz drei. Der slowakische Kaffeetrinker ist nicht abhängig, er ist ein Genießer.
Interessant ist auch, was die Befragten nicht als Hauptgrund angeben — Verfügbarkeit und Gewohnheit spielen eine Rolle, aber Kaffee erfüllt ganz klar auch eine starke soziale Funktion. Fast ein Drittel der Befragten bestätigte, Kaffee bei Treffen mit anderen zu trinken.
Erkenntnis Nr. 3: Weder zu sauer noch zu bitter — die Slowaken bevorzugen ausgewogenen Kaffee
Wir haben nach dem bevorzugten Geschmacksprofil auf einer Skala von 1 (fruchtig-sauer) bis 10 (bitter, dunkel geröstet) gefragt. Die häufigste Antwort lag genau in der Mitte — Ausgewogenheit siegt eindeutig. Die äußeren Pole der Skala bleiben Randbereiche.
Hinter diesem Durchschnitt verbirgt sich jedoch ein interessantes Altersmuster: Jüngere Menschen greifen eher zu fruchtigem Kaffee mit feiner Säure, während Ältere dunklere Röstungen bevorzugen. Das ist keine bloße Modeerscheinung — es ist statistisch eines der robustesten Muster der gesamten Studie. Die Generation bestimmt die Geschmackspalette.
Ebenso aufschlussreich ist der Zusammenhang mit der Zubereitungsmethode: Wer zu Hause Filterkaffee oder V60 zubereitet, trinkt statistisch gesehen einen völlig anderen Kaffeetyp als jemand, der Instantkaffee aufgießt. Die Art der Zubereitung verrät mehr über den Kaffeegeschmack als alles andere.
Erkenntnis Nr. 4: Wo kaufen die Slowaken ihren Kaffee? Der Supermarkt führt weiterhin, aber Online holt rasch auf
Der Supermarkt bleibt der häufigste Einkaufsort, doch der Online-Kanal wächst rasant — fast ein Drittel der Befragten kauft online. Käufer mit höherem Bildungsgrad kaufen signifikant häufiger online ein als andere, was zeigt, wo sich der Geschmack zukünftiger Kunden formt.
Überraschende Erkenntnis: Mittelgroße Städte verzeichnen einen höheren Anteil an Direktkäufen in Röstereien als die größten slowakischen Städte. Specialty Coffee ist offenbar kein reines Großstadtphänomen — er verfügt auch in den Regionen über eine starke Basis.
Wo jemand seinen Kaffee kauft, sagt mehr über den Geschmack aus als jede andere Frage. Café-Kunden und Supermarktkäufer leben in völlig unterschiedlichen Kaffeewelten.
Erkenntnis Nr. 5: Markenbekanntheit und Markenbeliebtheit sind zwei verschiedene Paar Schuhe
In der Studie haben wir zwei verschiedene Aspekte untersucht: ob die Menschen eine Marke kennen und ob sie sie als ihre Lieblingsmarke betrachten. Die Ergebnisse sind bemerkenswert — die bekanntesten Marken am Markt sind bei Weitem nicht die beliebtesten. Bekanntheit und Markentreue gehen oft getrennte Wege.
Auffällig ist der Generationenunterschied: Jüngere Slowaken (unter 35 Jahren) haben eine deutlich engere Bindung zu slowakischen Röstereien als ältere Generationen, bei denen weiterhin etablierte europäische Marken dominieren. Diese Trennlinie zwischen den Generationen gehört zu den deutlichsten Signalen der gesamten Umfrage.
Erkenntnis Nr. 6: Kaffee am Arbeitsplatz — die Mehrheit ist unzufrieden, obwohl alle davon überzeugt sind, dass besserer Kaffee helfen würde
Die Zufriedenheit mit dem Kaffee am Arbeitsplatz teilt die Befragten in zwei fast gleich große Gruppen — diejenigen, die zufrieden sind, und diejenigen, die es nicht sind. Dazwischen gibt es kaum etwas. Die Meinungen sind eindeutig.
3 von 4
besserer Kaffee = besserer Tag
69 %
trinkt regelmäßig bei der Arbeit
4 %
trinkt überhaupt keinen Kaffee
Das Paradoxon, das uns am meisten überrascht hat
Menschen, die mit dem Kaffee an ihrem Arbeitsplatz völlig unzufrieden sind, glauben noch fester daran als jene, die zufrieden sind, dass besserer Kaffee ihren Arbeitstag positiv verändern würde. Je schlechter der Kaffee, desto größer der Glaube an sein Potenzial. Arbeitgeber sollten dies ernst nehmen.
Erkenntnis Nr. 7: Vier Typen slowakischer Kaffeetrinker – und jeder sucht etwas anderes
Die Daten zeigen vier ausgeprägte Gruppen von Kaffeetrinkern, die sich darin unterscheiden, was sie trinken, wo sie einkaufen und wie viel sie zu zahlen bereit sind.
~17 %
Junger Specialty-Enthusiast
Bis 35 Jahre · fruchtige Säure · kauft online oder in der Rösterei · Arabica · bereit, für Qualität mehr zu bezahlen.
~30 %
Büro-Heavy-User
Drei und mehr Tassen täglich · Kaffeevollautomat im Büro und zu Hause · sieht Kaffee als Notwendigkeit für den Arbeitstag. Das größte Segment.
~29 %
Preissensibler Mainstream
Kauft im Supermarkt · der Preis ist entscheidend · dunkler, kräftig-bitterer Kaffee · wünscht sich etwas Besseres, hat den Schritt aber noch nicht gewagt.
~12 %
Traditioneller Kaffeetrinker
Meist ältere Jahrgänge · dunkle Röstung · bewährte europäische Marken · traditionsbewusst, sucht keine Veränderung.
Interessant ist der Querschnitt über alle Gruppen hinweg: Fast ein Drittel aller Befragten möchte besseren Kaffee trinken, hat bisher aber noch keinen konkreten Anlass für einen Wechsel gefunden. Die Hürde ist meist nicht Unwissenheit — es fehlt der entscheidende Impuls.
Erkenntnis Nr. 8: Was entscheidet bei der Kaffeewahl? Geschmack und Qualität – der Preis folgt erst an dritter Stelle
Auf die Frage, was beim Kaffeekauf am wichtigsten ist, belegten Qualität und Geschmacksprofil mit großem Vorsprung die ersten beiden Plätze. Der Preis steht zwar an dritter Stelle, aber die Daten belegen, dass es nicht um billige Preise geht — es geht um das Preis-Leistungs-Verhältnis.
Wir haben zudem ein kontraintuitives Ergebnis festgestellt: Menschen, die nach dem Preis kaufen, und diejenigen, die nach der Herkunft der Rösterei wählen, bilden zwei völlig getrennte Gruppen – sie überschneiden sich kaum. Es sind völlig verschiedene Welten mit einer jeweils eigenen Auswahllogik.
8 von 10
Qualität = Hauptkriterium
8 von 10
Möchte das Geschmacksprofil kennen
6 von 10
Achtet auf den Preis
jeder 2.
Bevorzugt slowakische Marken
Fazit: Die Slowakei ist ein Kaffeeland. Und das Bewusstsein für guten Geschmack wächst.
Fast fünftausend Antworten zeichnen ein klares Bild: Die Menschen in der Slowakei verstehen Kaffee, legen Wert auf den Geschmack und sind zunehmend bereit, für Qualität zu bezahlen – wenn es einen guten Grund dafür gibt. Kaffee ist nicht mehr nur ein Morgenritual, sondern Ausdruck des persönlichen Geschmacks.
Das stärkste Signal der gesamten Studie liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Haltung: Die Menschen wissen, was sie wollen – sie haben nur manchmal noch nicht den Weg dorthin gefunden. Und genau das ist die Chance und Herausforderung für jeden, der guten Kaffee röstet.
Die Umfrage fand im April 2026 statt, die Teilnahme war anonym und freiwillig. Die statistische Analyse umfasste Standardmethoden einschließlich Chi-Quadrat-Tests, nichtparametrischer ANOVA und Korrelationsanalysen.