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Klassifizierung von kenianischem Kaffee: Was bedeuten die Abkürzungen AA, AB, PB oder E?

Amir Jabri | 30. Juli 2026

Buchstaben wie AA, AB oder PB auf dem Etikett eines kenianischen Kaffees werden oft als direkte Qualitätsbewertung wahrgenommen, fast wie Auszeichnungen. In Wirklichkeit bezeichnen sie jedoch etwas weitaus Physischeres: Größe, Form und Dichte der Rohkaffeebohnen nach der Aufbereitung in der Mühle. Es trifft auch nicht zu, dass ein Kaffeebaum ausschließlich „AA“ und ein anderer „AB“ hervorbringt. All diese Kategorien stammen aus derselben Ernte, von derselben Kaffeekirsche und von denselben kenianischen Hängen.

Das kenianische Sortiersystem gehört zu den präzisesten der Welt und ist sowohl für Röster als auch für Liebhaber von Specialty Coffee der Schlüssel zum Verständnis dafür, wie sich der Kaffee beim Rösten verhält und was in der Tasse zu erwarten ist.

Nasssortierung (nach Dichte)

Kenia setzt fast ausschließlich auf die gewaschene Aufbereitung (Washed Process). Die erste Sortierung beginnt unmittelbar nach der Ernte.

  • Wasserbad (Flotation): Die frisch geernteten Kirschen werden in Wasserbecken gegeben. Überreife, vertrocknete oder defekte Kirschen schwimmen an der Oberfläche und werden sofort aussortiert.
  • Wasserkanäle (Washing Channels): Nach dem Entpulpen (Pulping) und der Fermentation werden die Bohnen in langen Wasserkanälen gewaschen. Hierbei greift ein einfaches physikalisches Prinzip: Die dichtesten und qualitativ hochwertigsten Bohnen (P1 und P2) sind schwer und sinken am Anfang des Kanals zu Boden, während leichtere und weniger entwickelte Bohnen (P3) vom Wasser weitergespült werden.

Wie die Bohnensortierung in Kenia abläuft: vom Sieb bis zum Gewichtsausleser

Nachdem die Kaffeekirschen die Nassaufbereitung (die für Kenia typische doppelte Fermentation) durchlaufen haben, auf Raised Beds (afrikanischen Trockenbetten) getrocknet und in der Trockenmühle (Dry Mill) von der Pergamenthaut befreit wurden, folgt die mechanische Sortierung. Sie basiert auf drei Hauptprinzipien:

  1. Größe (Sieb / Screen Size): Die Rohkaffeebohnen passieren eine Reihe von Metallsieben mit Lochgrößen, die in Schritten von 1/64 Zoll abgestuft sind.
  2. Bohnenform: Flache Bohnen (Flat Beans) werden von natürlichen Mutationen (Peaberry / Perlbohnen) getrennt.
  3. Dichte (Density): Mithilfe von pneumatischen Windsichtern und Gewichtsauslesern werden leichte oder hohle Bohnen von schweren und dichten Bohnen getrennt.

Vollständige Übersicht der kenianischen Qualitätsstufen (Grades)

Kategorie Siebgröße / Spezifikation Profil und physikalische Eigenschaften
E (Elephant) Sieb 18+ (über 7,2 mm) Riesige Bohnen, die durch das Zusammenwachsen zweier Samen in einer Kirsche entstehen. Während der Aufbereitung brechen sie oft auseinander und hinterlassen charakteristische „Öhrchen“ (Ears). Sie sind selten, besitzen einen vollen Körper, erfordern beim Rösten jedoch besondere Vorsicht.
AA Sieb 17/18 (ca. 7,2 mm) Die größten und in der Regel dichtesten flachen Standardbohnen. Sie bringen eine ausgeprägte Säure und eine hohe Komplexität mit sich, benötigen beim Rösten jedoch eine intensive Wärmezufuhr.
AB Sieb 15/16 (6,8–7,2 mm) Eine Kombination aus Bohnen der Klassen A und B. Sie macht etwa 40 % der Gesamtproduktion aus. In der Tasse präsentiert sie sich meist ausgewogener, mit sanfterer Säure und runderem Körper als AA.
PB (Peaberry / Perlbohne) Ca. Sieb 17 (rund) Eine natürliche Mutation (ca. 5–10 % der Ernte), bei der sich in der Kirsche nur eine einzige ovale Bohne entwickelt. Sie ist sehr dicht und rollt in der Rösttrommel besonders gleichmäßig. Der Geschmack ist meist konzentriert und sehr süß.
C Sieb 14/15 Dünnere und kleinere Bohnen, die aus der Kategorie AB aussortiert wurden. Wenn sie aus großen Höhenlagen stammen, können sie durch ihre Klarheit überraschen, werden in der Regel jedoch günstiger verkauft.
TT Windsichtung Leichtere Bohnen, die mittels Luftstrom aus den Kategorien E, AA und AB abgetrennt werden. Sie weisen eine geringere Dichte und weniger entwickelte Zucker auf.
T Sieb unter 12 / Bruchstücke Gebrochene, beschädigte oder besonders kleine Partikel. Sie sind überwiegend für kommerzielle Blends auf dem lokalen Markt bestimmt.
MH / ML (Mbuni) Natürlich getrocknet Kirschen, die vom Baum gefallen sind oder direkt am Ast getrocknet sind (Mbuni). Kaffee mit einem höheren Anteil an Defekten, meist herber oder mit grasigen Noten.

Größe vs. Qualität: Der Mythos vom „allmächtigen“ AA

Der häufigste Mythos unter Kaffeeliebhabern (und ein wiederkehrendes Thema in Foren wie Reddit) ist die Annahme, dass AA automatisch dem besten Kaffee entspricht. Die physische Bohnengröße ist jedoch nur einer von vielen Parametern.

Bohnengröße und geschmackliche Qualität sind zwei verschiedene Aspekte. Daher wird kenianischer Kaffee nach der Größensortierung noch separat sensorisch bewertet (Cupping), wobei Klarheit, Säure, Körper und das gesamte Geschmacksprofil beurteilt werden. Ein hervorragend bewerteter AB oder PB kann in der Tasse einen durchschnittlichen AA von derselben Farm mühelos übertreffen.

Warum sind die größeren AA-Bohnen dann so hochgeschätzt? Der Hauptgrund liegt in der Höhenlage. Kaffeepflanzen, die in Lagen über 1700 m ü. M. angebaut werden, reifen langsamer, lagern mehr Zucker sowie organische Säuren ein und bilden besonders dichte, große Bohnen aus. Die Größe einer AA-Bohne ist somit eine direkte Folge eines hervorragenden Terroirs, stellt jedoch keine automatische Geschmacksgarantie dar.

Röstung und Zubereitung: Warum die Bohnengröße in der Rösterei zählt

Der Hauptgrund für die strikte Größensortierung des Kaffees in Kenia ist die Konsistenz beim Rösten. Würde man winzige C-Bohnen gemeinsam mit massiven E- oder AA-Bohnen in einer Trommel rösten, würden die kleineren Bohnen verbrennen, bevor die großen im Kern ausreichend durchgeröstet sind.

Kenianische Bohnen der Kategorien AA und PB zeichnen sich durch eine außergewöhnliche Dichte (Density) aus. Beim Rösten erfordern sie eine höhere Anfangsenergie (Charge Temperature), damit die Hitze bis ins Innere der Bohne vordringt, ohne die Oberfläche zu verbrennen.

In den meisten Fällen schmeckt AA besser als AB, allerdings nicht immer. In der Rösterei kommt es letztlich vor allem auf den Geschmack an. Wenn Sie in unserem Angebot also einen AB entdecken, bedeutet das keineswegs mindere Qualität – häufig handelt es sich um einen exzellenten Kaffee zu einem attraktiveren Preis.

Häufig gestellte Fragen

Lohnt es sich, AB-Kaffee zu kaufen, wenn er günstiger ist als AA?

Definitiv ja. Bei den Auktionen in Nairobi (Nairobi Coffee Exchange) gilt AA als prestigeträchtige Bezeichnung, was den Preis nach oben treibt. Ein AB-Kaffee von derselben Farm bietet jedoch ebenso komplexe Fruchtnoten (schwarze Johannisbeere, Zitrusfrüchte) mit einer etwas sanfteren Säure und stellt häufig das beste Preis-Leistungs-Verhältnis dar.

Ist Peaberry (PB) wirklich süßer und intensiver?

Da sich in der Kirsche anstelle von zwei Samen nur ein einziger entwickelt, nimmt diese einzelne Bohne sämtliche Nährstoffe auf. PB-Bohnen sind von Natur aus rundlich, dicht und nehmen die Hitze beim Rösten gleichmäßiger auf. In der Tasse dominieren oft eine ausgeprägtere Süße und eine lebendige Säure.

Was sind „Elephant Beans“ (E) und warum findet man sie selten im Angebot?

Die Kategorie E stellt eine genetische Besonderheit dar, bei der zwei Bohnen in der Kirsche förmlich zu einer riesigen Bohne verschmelzen. Beim Entpulpen und Trocknen splittern sie jedoch leicht und bilden unregelmäßige Bruchstücke. Aufgrund der geringen Menge werden sie meist aussortiert oder speziellen Mikrolots beigemischt.

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Quellen