Kaffeezubereitung zu Hause 2: French Press – der Klassiker, der nie enttäuscht
Šimon von Goriffee | 15. April 2020
Wenn es eine Zubereitungsmethode gibt, die man in fast jedem zweiten Haushalt findet, dann ist es die French Press. Häufig dient gerade diese Stempelkanne als Einstieg in die Welt des Specialty Coffee.
Viele unterschätzen sie jedoch oder wenden sie falsch an. Dabei bietet die French Press etwas, was feine Papierfilter nicht leisten können: einen kräftigen Körper und eine dichte Textur. Da der Kaffee die gesamte Zeit über im Wasser zieht und das Metallsieb auch die wertvollen Kaffeeöle durchlässt, entsteht ein wahrhaft intensives Geschmackserlebnis in der Tasse. Ob im hektischen Alltag vor der Arbeit oder an einem entspannten Wochenendmorgen im Ferienhaus – die French Press ist ein verlässlicher Partner.
Obwohl die Bezeichnung „French Press“ eindeutig auf Frankreich verweist, ist ihre Entstehungsgeschichte facettenreicher. Erste Nachweise über die Kaffeezubereitung mittels Pressstempel tauchten zwar Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich auf, doch diese Vorrichtungen schlossen nicht dicht ab und der Kaffee war voller Satz.
Ironischerweise ließ sich das Design der French Press, wie wir es heute kennen, ein Italiener patentieren. Es war der Mailänder Designer Attilio Calimani, der im Jahr 1929 die Dichtung des Stempels entscheidend perfektionierte. Seither hat sich dieses ikonische Design kaum verändert und wurde zum weltweiten Standard für die unkomplizierte Kaffeezubereitung zu Hause.
Expertenmeinung
Warum sollten Sie der French Press eine Chance geben, selbst wenn Sie begeisterter V60-Fan sind? Es antwortet Šimon Janík, slowakischer Barista-Meister, der bei Goriffee den B2B-Bereich und Vertrieb leitet:
„Die French Press wird oft zu Unrecht stiefmütterlich behandelt, doch für mich ist sie die Königin des vollen Geschmacks. Im Gegensatz zur V60, bei der das Papierfilter die meisten Öle und Schwebstoffe zurückhält, lässt die French Press diese ungehindert in die Tasse fließen. Das Ergebnis ist ein Kaffee mit schwererem, cremigerem Körper und langanhaltendem Nachgeschmack. Sie ist die ideale Methode für alle, die von traditionellem ungefiltertem Kaffee auf Specialty Coffee umsteigen und ein intensiv aromatisches Profil schätzen – ganz ohne Kaffeesatz zwischen den Zähnen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt jedoch in einer hochwertigen Mühle: Erforderlich ist ein gleichmäßiger, grober Mahlgrad, andernfalls wird der Kaffee bitter und trüb.“
Empfohlenes Rezept für die French Press
Vergessen Sie das überhastete Herunterdrücken direkt nach dem Aufgießen. Das Geheimnis einer klaren Tasse aus der French Press liegt in Geduld und dem Abschöpfen des Schaums.
Kaffee: 30 g (frisch gerösteter Specialty Coffee)
Wasser: 500 ml (weich, gefiltert)
Wassertemperatur: 98 °C (kurz nach dem Aufkochen)
Mahlgrad: Sehr grob (Konsistenz von grobem Meersalz)
Gesamtzeit: 4 – 8 Minuten
Zubereitung:
Vorwärmen: Die French Press mit heißem Wasser ausspülen, um das Glas vorzuwärmen. Wasser anschließend ausgießen.
Aufgießen: 30 g grob gemahlenen Kaffee einfüllen. Mit der gesamten Wassermenge (500 ml) aufgießen. Darauf achten, dass das gesamte Kaffeemehl gleichmäßig benetzt wird.
Ziehzeit: Den Kaffee 4 Minuten ziehen lassen. In dieser Zeit nicht umrühren und den Stempel beiseitegelegt lassen.
Kruste brechen: Nach 4 Minuten bildet sich an der Oberfläche eine Kruste aus Kaffeesatz. Diese mit einem Löffel vorsichtig durchrühren. Der Großteil des Kaffeemehls sinkt nun zu Boden.
Abschöpfen: An der Oberfläche verbleiben Schaum und feine Partikel. Für ein klares Geschmacksprofil diese mit einem Löffel abschöpfen und entsorgen.
Herunterdrücken (bzw. Filtern): Den Stempel aufsetzen. Nun gibt es zwei Möglichkeiten: Drücken Sie den Stempel langsam ganz nach unten – oder schieben Sie ihn nur knapp unter die Flüssigkeitsoberfläche, sodass er beim Ausschenken als Sieb fungiert. Letzteres sorgt für deutlich weniger Kaffeesatz in der Tasse.
Servieren: Den Kaffee sofort in Tassen oder ein Serviergefäß umgießen, damit der Extraktionsprozess stoppt.
Ein kleiner Tipp zum Schluss: Trinken Sie Filterkaffee nicht direkt nach der Zubereitung, sondern warten Sie ca. 2–3 Minuten, bis er leicht abkühlt. Seine volle Geschmacksvielfalt entfaltet er optimal bei etwa 70–60 Grad.
Servieren Sie den Kaffee direkt nach der Zubereitung und lassen Sie ihn nicht für später in der French Press stehen. Solange der Kaffee im Wasser verbleibt, wird er weiter extrahiert, was zu unangenehmen Bitterstoffen führen kann. Genießen Sie Ihren Kaffee! :)
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Warum ist mein Kaffee aus der French Press trüb und voller Satz? Die Ursache liegt meist an der Kaffeemühle. Günstige Schlagmessermühlen zerkleinern die Bohnen ungleichmäßig – es entstehen grobe Stücke und zugleich feiner Staub. Genau dieser Feinstaub passiert das Metallsieb und setzt sich als Schlamm am Tassenboden ab. Die Lösung ist eine hochwertige Mühle mit Kegel- oder Scheibenmahlwerk und einer präzisen Einstellung auf groben Mahlgrad.
2. Wie lange darf der Kaffee nach dem Herunterdrücken in der French Press bleiben? Der Kaffee sollte umgehend nach dem Pressen serviert oder umgefüllt werden. Solange das Wasser mit dem Kaffeemehl in Kontakt steht (selbst am Boden komprimiert), schreitet die Extraktion voran. Bleibt er 10 Minuten stehen, schmeckt der Kaffee bitter und überextrahiert.
3. Kann man in der French Press auch Tee zubereiten? Rein technisch ja, wir raten jedoch davon ab, dasselbe Gefäß für Kaffee und Tee zu verwenden. Kaffeeöle lagern sich am Sieb sowie am Glas ab und lassen sich nur schwer restlos entfernen. Ein feiner grüner Tee könnte dadurch einen unangenehmen Kaffeegeschmack annehmen.
4. Eignet sich die French Press auch für hell gerösteten Kaffee? Definitiv ja. Obwohl sie traditionell oft mit dunkleren Röstungen assoziiert wird, kommen helle Specialty-Coffee-Röstungen in der French Press hervorragend zur Geltung. Es entsteht eine süße Tasse mit vollem Körper, die sich zwar von der V60 unterscheidet, aber exzellent schmeckt. Bei helleren Röstungen empfehlen wir kochend heißes Wasser und eine etwas längere Ziehzeit.
5. Wie pflegt man eine French Press richtig? Sie sollte nach jedem Gebrauch komplett zerlegt werden. Ein einfaches Ausspülen genügt nicht. Schrauben Sie das Sieb vom Stempel ab, da sich besonders zwischen diesen Metallteilen alte Kaffeeöle festsetzen, die mit der Zeit ranzig werden und den Geschmack künftiger Zubereitungen beeinträchtigen.
Šimon von Goriffee
Slowakischer Barista-Meister (2019) und seit Jahren ein wichtiger Bestandteil des Goriffee-Teams. Zum Kaffee kam er bereits während seines Studiums an der Hotelfachakademie in Piešťany, wo er das Bildungsprojekt Academic Barista mitbegründete. Bei Goriffee widmet er sich heute vor allem dem Vertrieb, dem Aufbau von B2B-Beziehungen sowie der Betreuung von Neu- und Bestandskunden. Darüber hinaus leitet er Barista-Schulungen und Workshops und bringt seine Erfahrungen aus Wettbewerben sowie der Praxis hinter der Bar in die tägliche Arbeit mit Kaffee ein – von der Auswahl der richtigen Bohnen bis hin zur Prozessoptimierung im Café.
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